Magazin - Ignacio LLamas. Mai 2020

Dies ist eine Zusammenarbeit mit dem Künstler Ignacio Llamas, in der seine wunderbaren Fotografien von einigen Texten begleitet werden. Die Texte versuchen nicht die Bilder zu erklären, sondern sie zu begleiten.  

IGNACIO LLAMAS: BILDER UND WORTE II

Ich habe meinen Garten vorbereitet. Ich schnitt die toten Äste ab und ließ die, die Leben versprachen, an Ort und Stelle. Ich habe auch die geschnitten, welche in die falsche Richtung wuchsen. Ich befreite den Boden vom Laub und ließ das Sonnenlicht einfallen, das die Schatten der Bäume zum Vorschein brachte.
Das Licht erhellte die Farben, nuancierte die Töne und brachte Freude in meinen Geist.

Warum ist alles so traurig ohne Licht?

Jetzt bin ich glücklich, denn heute scheint die Sonne und alle grünen Farben konkurrieren in ihrer Schönheit. Ich schaue auf meinen Garten und kann dank des Lichts alle möglichen Schattierungen sehen. Ich spüre, wie mein Garten wächst, lautlos und nach oben. Jeder Zweig streckt sich in alle Richtungen aus, genau wie mein Körper. Ich fühle mich mit meinem Garten verbunden, weil ich mit ihm wachse. Meine Arme und Beine sind wie die Äste meiner Bäume, die sich vom Moment des Urknalls an ausdehnen. Sie und ich brauchen unbedingt die Sonne.

Was ist passiert? Habt ihr euch nicht verstanden? Warum seid ihr soweit weggegangen?

Dieser Raum war meine natürliche Welt, mein Platz, meine Ausgangsposition in meinem Leben, der Raum aus Licht und Schatten, der unaufhörlich projiziert wurde, an jedem meiner Tage. Dort konnte ich meine Batterien wieder aufladen, meine Energien erneuern, um mich dem Alltag zu stellen. In meinem Raum hatte ich die Möglichkeit anzuhalten, um zu reflektieren. Ich saß auf der Bank im Schatten meines Lieblingsbaums und beobachtete die Schatten, die die Sonne auf die nackten Flächen warf. Diese Zeichnung der Linien hat mich gefangen genommen, denn in ihnen konnte ich mir alle möglichen Wege auf der irdischen Sphäre vorstellen. Wie sich die Richtungen des Kompasses verschachtelten und ausstrahlten. Ich stellte mir immer vor, wohin die einzelnen Linien führten, nach Norden, Süden, Osten und Westen. Und wie ich all diese Wege ging und verschiedene Städte auf dem Planeten erreichte, verschiedene Gesellschaften, Wälder und Meere.

Ich träumte davon, eine Handvoll Sand und Erde von jedem der besuchten Strände und Wälder zu sammeln. Ich würde die Erde mit dem Sand vermischen und mit Wasser kneten, um die Mauern meiner Welt zu bauen. Es wäre das beste Material, um Träume zu verwirklichen, voller Erfahrungen und Erinnerungen, Freunde und Liebhaber, langer Gespräche, unvergesslicher Orte und offenem Lächeln.

Alles das war es, was mein Universum, meinen Platz in der Welt ausmachte.


Fotos: Ignacio Llamas. Texte: Carmen González-Borrás

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

Mehr Infos hier

Ich stimme zu