Magazin - Lídia Masllorens. Mai 2020

In der Zeit der pandemiebedingten Einschränkungen denkt die Künstlerin Lídia Masllorens über eine persönliche Reise von ihrer Stadt nach Köln nach.  Im vergangenen November besuchte sie es zum ersten Mal anlässlich der Eröffnung ihrer Ausstellung "Dies ist kein Porträt". Doch ein Ort, den sie bisher für unbekannt hielt, lag in ihrer Vergangenheit doch irgendwie in der Nähe.

LIDIA MASLLORENS: KÖLN, PICASSO, ST. GEORG UND DIE LUDWIGS 

Köln ist eine besondere Stadt. Sehr katholisch, und gleichzeitig unbekümmert, in einem Staat, in dem Ernsthaftigkeit die sozialen Beziehungen regelt. Carmen und ihr Mann Fritz haben mir bei einem Abendessen davon erzählt. Das war nach der Eröffnung der Ausstellung, die ich in der Galerie 100 Kubik gemacht habe, die sie seit langer Zeit in der Mohrenstraße betreibt.

Picasso ist "der Künstler", das Modell, das meine Berufung genährt hat. Sein bildnerischer Werdegang hat die Art und Weise geprägt, in der wir Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts die Wirklichkeit in unseren Bildern festgehalten haben. Er war besessen von Evolution, Veränderung, Arbeit und täglicher Anstrengung. Ein tiefer, dunkler und hellsehender Blick, der mich durch die schwierigsten Momente geführt hat.

Der St. Georg ist "der Heilige". Der 23. April - sein Festtag - ist nicht nur ein Fest, er ist mehr als das: Es ist der Tag der Liebenden in meinem Land, den katalanischen Ländern. Alle sind auf den Straßen, alle verlassen das Haus, um die Sonne zu riechen und in den Buch- und Blumenständen zu schmökern, die die Plätze und Alleen füllen. An diesem Tag haben wir einen Brauch, den ich wunderbar finde: Wenn man eine Rose geschenkt bekommt, muss man ein Buch schenken.

Was verbindet Köln, Picasso und St. Georg, mögen Sie fragen. Ich werde versuchen, es Ihnen zu erklären. Wegen der Pandemie, unter der die Welt leidet, konnte in diesem Jahr in Katalonien das Fest des Heiligen Georg nicht gefeiert werden: es gab keine Buchhändler in den Straßen und die Blumenhändler hatten ihre Geschäfte geschlossen. Aber es geschah, mein Liebster bot mir eine schöne Rose aus seinem Garten an. Und ich, die kein Buch kaufen konnte, dachte daran, ihm eines aus meiner Privatsammlung zu schenken. Und ich habe mir eins von denen ausgesucht, die mir am besten gefallen: Pablo Picasso. Sammlung Ludwig, veröffentlicht auf Katalanisch von Electa und der Stadtverwaltung Barcelona. Als ich es einmal als Geschenk betrachtete, wurde mir klar, dass es die Verbindung war, die den Kreis schloss. Das Buch, das das Werk des Künstlers und die Leidenschaft dieser außergewöhnlichen Sammler in Köln Revue passieren lässt, verbindet unwissentlich meine Zeit in der Stadt, meine Freundschaft mit Carmen, meine Hingabe an den Künstler und dieses sehr tiefe Gefühl, das bei den Katalanen und in besonderer Weise bei mir das Feiern von Kultur und Liebe auslöst.

Vielen Dank, Herr und Frau Ludwig, für dieses Geschenk des Jahres 1992!

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