Magazin- Silvia Lermo - Statement

Silvia Lermo führt uns in ihre Arbeit ein, erzählt uns von ihren Beweggründen, Inspirationsquellen und den Schlüsseln zum Verständnis ihrer Arbeit.

EINE GEGENWÄRTIGE ERINNERUNG

So wie Platon eine Allegorie zwischen dem Physischen und dem Immateriellen vorschlug, indem er eine trügerische und oberflächliche Realität simulierte, schlage ich die Existenz einer unabhängigen Realität für jeden Betrachter vor, die verschiedene Standpunkte formt.

Meine Arbeit basiert darauf, den Charakter des Werkes nicht nur physisch zu vermitteln, sondern auch sein psychologisches Profil abzudecken, in dem die Figuren diese Dualität spielen.

Die Erinnerung, verstanden als eine Spiegelung der Vergangenheit, etwas Verhülltes und Nebulöses, projiziert auf die scheinbar starre Leinwand der Gegenwart. Die Erinnerung wird dabei als Vehikel verstanden, um das Abwesende in die Gegenwart zu verklären. Und es ist diese Idee, die sich um die Erinnerung dreht, die dem narrativen Hintergrund meiner Arbeit auf latente Weise zugrunde liegt.

Aber was wäre die Erinnerung ohne den Traum? In meiner Arbeit ist die Erinnerung keine einfache Fotografie der Vergangenheit (das wäre etwas zu einfach und offensichtlich, oberflächlich und harmlos). Ich behandle die Erinnerung als einen dichotomen Blick. Zum einen der Blick des kleinen Mädchens, dessen Großvater in den Salzpfannen arbeitete, die wie verschneite Berge aussahen (die sie besteigen und dann hinunterrutschen wollte), und die abgöttische Bewunderung für ihren Vater und Großvater. Zu beiden hatte sie eine besondere Beziehung und verlor beide auf tragische und unvollkommene Weise in ihrer Vergangenheit.

Zweitens kommt ein ebenso introspektiver wie retrospektiver Prozess ins Spiel, bei dem das Ich der Vergangenheit zu einer Ich-Erzählung in der dritten Person wird. Es ist in diesem Blick, wo die Erinnerung die Wirklichkeit verklärt, wo das Traumhafte, das Imaginierte oder Fantasierte die Lücken füllt, die das Vergessen hinterlässt.

WORAUF WILL ICH HINAUS?

Die Handlung meiner Arbeit basiert auf meinen gelebten Erfahrungen, wobei ich mich frage, ob diese in meinem Kopf verankerten Erinnerungen, die manchmal traumhaft geformt sind, die Realität verzerren oder nicht:

Als ich ein kleines Mädchen war, dachte ich, Salzberge seien aus Schnee gemacht. In meiner Arbeit sieht der Betrachter am Ende unbewusst meine Vision als Kind.

Die gewählten Momente versuchen, die ästhetische und negative Sichtweise der menschlichen Figur mit der Natur zu materialisieren und in Beziehung zu setzen, was uns fragen lässt, ob diese real sind oder so in Erinnerung bleiben, wie ich es mir gewünscht hätte.

Der Ursprung meiner Charaktere liegt in der Erinnerung, die mit der Erfahrung der Gegenwart nuanciert ist. Die gelebten Momente haben ihre Daseinsberechtigung, und es ist die Zeit, die ihre symbolische Bedeutung offenbart. Ich versuche, eine Geschichte zu erzählen, in der die Personen von größeren Kräften angeordnet sind und sich Figuren bilden, die sie selbst nicht kennen. Sie sind untereinander durch Kreisläufe verbunden, die sich schließen und aufeinander beziehen. Dem zugrunde liegt auch die Theorie der menschlichen Natur und die Erotik von George Bataille, der den Menschen als ein diskontinuierliches Wesen betrachtet, das nach Kontinuität sucht. Die Figuren sind also miteinander verbunden, weil sie ihren Grund für ihr Dasein durch den anderen suchen. Diese Verbindungen entstehen an außergewöhnlichen Orten, die in mir leben, sie sind Räume der Begegnung.

Jedes Werk entspricht Momenten, die mich an Orte führen wo es kein Vergessen gibt, diese Erinnerung, die wir behalten, weil sie unsere Aufmerksamkeit aus verschiedenen Gründen weckt. Sie zwingt mich daher, mich zu fragen, ob es so war, wie ich es erlebt habe oder wie ich es gerne erlebt hätte, wobei ich den Begriff der Wahrheit ins Spiel bringe. Meine Figuren werden also aus diesen beiden Quellen der Erinnerung geboren, indem ich ihnen Gedächtnis und Klarheit durch einen Raum gebe, um sie zu materialisieren.

Der sentimentale Aspekt betrifft zum einen den Mörtel, der auf selektive Weise die Fakten in der Zeit fixiert und sie in Erinnerungen verwandelt. Auf der anderen Seite zwingt sich der sentimentale und affektive Aspekt als ein Element auf, das Zusammenhalt in die Löcher des Vergessens bringt, Erinnerungen verbindet und einen kohärenten dialektischen Faden entstehen lässt, der mich von einer Unsicherheit über mein eigenes Sein entfernt. Und hier kommen wir zur wichtigsten Bedeutung der Erinnerung, des Gedächtnisses: Wir würden unsere Gegenwart nicht verstehen, wenn wir unsere Vergangenheit nicht verstehen würden. Ohne Erinnerungen, ohne Gedächtnis hört der Mensch auf, ein Mensch zu sein.

WIE ORGANISIERE ICH MICH?

Malerei und Zeichnung sind die Hauptwerkzeuge, mit denen ich meine eigene Bildsprache entwickle, wobei ich bestimmte Behandlungen und spezifische Techniken verwende, die ich im Laufe meiner beruflichen Laufbahn entwickelt habe. Neben der Verwendung großer Formate hilft mir eine symbolische, leidenschaftliche und traumhafte plastische Sprache, die Werke als ein kraftvolles Instrument wirken zu lassen, mit dem ich den Betrachter in meine innere Welt einlade.

Durch Malen und Fotografieren kann ich Figuren einander vor- und voneinander wegstellen und so meine eigenen Collagen schaffen. Durch Glasuren und Überlagerungen versuche ich, dass die Sprache des Werkes mein Unterbewusstsein offenbart.

WIE IST MEIN KREATIVER PROZESS?

Es fällt mir schwer, ihn zu definieren, ich habe keine spezifische Methodik, ich bewege mich aus Impuls und Intuition. Dabei gibt es viel Leid und Schmerz, aber zumindest in meinem Fall versuche ich, etwas beizutragen, das mir hilft, ihn zu lindern. Ich gebe nicht vor, dass meine Arbeit selbstbemitleidend ist, noch will ich Kunst als Therapie einsetzen.

Meine Arbeit wird von einem erschöpfenden fotografischen Prozess genährt, der mir hilft, einzigartige Collagen zu bilden, die durch Malerei festgehalten werden. Ich beginne mit meinen eigenen Bildern, die mir helfen, die Realität zu erzählen, die ich in einem bestimmten Moment erzählen möchte. Ich lasse mich nicht nur von meinen eigenen Fotografien mit autobiografischer Symbolik inspirieren, sondern auch von aktuellen Fotografen, die ich bewundere (Antonio Ysursa, Denis Seap, Ken Hermann u.a.).

Es gibt einen beunruhigenden Punkt der Dunkelheit in meiner Arbeit, weil ich ihn selbst habe. Elemente wie Feuer, das Meer, Salinen, Mündungen, Tiere... helfen mir, einen eigenen Charakter zu entwickeln. Ich beschränke mich nicht darauf, ein ästhetisches Universum zu schaffen, sondern bringe dem Betrachter meine besondere Innenwelt näher.

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