MAGAZIN- Susana Reberdito

Die rosarote Abenddämmerung und das türkisfarbene Wasser.  

Was hat es mit den Fenstern auf sich? Ich weiß nicht, ob sie eingrenzen, einschließen, bedrängen, vergessen oder erinnern.  

Die Wellen befreien sich, der Himmel droht und die Gewässer warnen.  

Man ahnt den Sturm voraus.  Ich bin drinnen als Zuschauer.

Aber manchmal bin ich auch draußen. Außerhalb des Wassers, hinter dem Fenster. 

Oder auch im Wasser unter den Wellen.  

Ich weiß nicht, ob ich mich erinnere oder ob ich vergesse. Ich weiß nicht, ob ich ertrinke.

Susana Reberdito

Mit der aktuellen Tempest-Serie geht Reberdito weiter als in früheren Serien, denn die Werke sind mit Drama aufgeladen. Während wir in früheren Werken ein Meer in friedlicher Atmosphäre sahen, mit harmonischen Farbpaletten und gewundenen Rhythmen, erscheinen die Farben nun intensiviert, ebenso wie die Rhythmen der Pinselstriche und die ganze Bewegung im Allgemeinen. Die Palette erweitert sich bis zum dunklen Preußischblau und in den Kompositionen setzt die Künstlerin neue Mittel zur Hervorhebung der Szene ein, wie z.B. in einigen Werken das Bild im Bild, sowie eine große Vielfalt an Formaten. Sie möchte die Gefühle ihrer Erinnerungen ausdrücken. Es sind gelebte Momente, aber auch gefangen in ihrer Erinnerung, die durch Farbe und Pinselstrich zum Leben erwachen. 

Ihre Malerei ist nicht repräsentativ, denn sie versucht nicht, die Farben der Natur zu einem bestimmten Zeitpunkt nachzuahmen, sondern ihren Gemütszustand auszudrücken. Ihre Kompositionen offenbaren den ersehnten Augenblick: eine Abwesenheit, einen Raum, einen Klang oder mehrere, Aufregung, Tragödie, Freude oder Verzweiflung. Ihre Arbeitsweise ist ein Erfahrungsakt, eine Art innere Kommunikation mit ihren Gefühlen, ein Zustand der Trance, in dem die Unmittelbarkeit der Geste dominiert. Die Dimensionen des Bildes umhüllen die Künstlerin und lassen sie in ihr eigenes Werk eintauchen. Es gibt kein Entkommen. Sie selbst ist die Gefangene ihrer eigenen Falle, denn es gibt nur einen Ausweg: die Nacktheit ihrer Gefühle zu zeigen. Es ist jedoch unvermeidlich, die Formen mit der Idee von vereinfachten Meereswellen in Verbindung zu bringen, die mit Wellenlinien erzeugt werden, und in den verschiedenen Farbbereichen an Intensität und Komplexität gewinnen. 

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Der Rhythmus in den Arbeiten ist vielleicht das Merkmal, das diese Künstlerin am besten definiert, ein Rhythmus, der nicht nur durch die Linie, sondern auch durch Farbe entsteht. Ohne viel Aufhebens, manchmal sogar mit einer einzigen Palette, schafft es die Künstlerin, einen emotionalen Diskurs aufzubauen, in den der Betrachter involviert ist und an dem Geschehen teilnimmt, das die Künstlerin entwirft. Das Gemälde vervollständigt seine Bedeutung, wenn alle Faktoren ausgeglichen sind und sowohl Formen als auch Farbigkeit sich zusammenschließen, um der Ausdruckskraft des Ganzen Raum zu geben. 

Tempest ist eine Reise durch die Emotionen, bei der es leicht ist, sich von einem Werk zum anderen tragen zu lassen, um in jedem von ihnen verschiedene Nuancen, ein bestimmtes Licht oder eine Ansammlung von Erinnerungen zu entdecken. Die großen Formate erlauben es dem Betrachter auch, in die von der Künstlerin suggerierten Wellen einzutauchen, und die leidenschaftliche Kraft ihres Meeres zu spüren. 

Text: Carmen González-Borràs

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